Bertolt Brecht / Hanns Eisler

Die Rundköpfe und die Spitzköpfe

Das Stück ist eine schwarze Komödie über die Verführung politischer Einfalt durch völkische Sprüche, in Tateinheit mit der Ernennung von Sündenböcken. Der Staat Jahoo ist erstens pleite, zweitens schwer erschüttert durch den sozialen Kampf der armen Pächter, die unter dem Zeichen der SICHEL gegen die reichen Pachtherren aufstehen. Um den Staat noch einmal zu retten, engagiert der Vizekönig von Jahoo einen Politabenteurer namens Iberin. Iberin erklärt den Unterschied von arm und reich für abgeschafft und erfindet eine neue Einteilung der Bevölkerung nach Form ihrer Köpfe: Rundkopf = gut, Spitzkopf = schlecht. Den Pachtherren ist´s recht, solange hierdurch die Bewegung der aufständischen Pächter gespalten wird. Der Pächter Callas (Rundkopf) hegt die Illusion, vor Gericht gegen seinen Pachtherrn (Spitzkopf) Recht zu kriegen. Seine Tochter Nanna (sie arbeitet im Puff) ist da weniger optimistisch.

Bertolt Brecht / Hanns Eisler

Die Tage der Commune

Berliner Erstaufführung der Originalfassung

Rosa Luxemburg: Es stimmt, ich habe verfluchte Lust, glücklich zu sein. Babette in Tage der Commune: Für nen armen Hund ist nichts zu schad.

Darum geht es.

Das Stück erzählt die Geschichte einer kleinen Arbeiterfamilie inmitten von großer Geschichte. Es ist Drama, es ist Komödie, auch schwarze Komödie, es hat viel Musik. Es beginnt als Räuberpistole: Einem Kellner werden von den Gästen die Preise gemacht und ein Brathuhn wird beschlagnahmt. Es endet als Requiem. Der Apfelbaum blüht, doch es sind alle tot. Vielleicht aber sagen wir lieber: Alle sind tot, doch der Apfelbaum blüht.

Arbeitsbericht

Mariano Llorente

Nach Guernica. Die Stadt, das Ereignis, das Bild

Deutsch von Dorothea Köhler Regieeinrichtung Peter Wittig

Wer bin ich, fragt sich Daniel. Warum muß ich mir sagen lassen, daß meine Augen lieben können und daß sie getötet haben. Lieben: finde ich schmeichelhaft. Töten: ich habe nie getötet. Ich bin doch nicht mein Urgroßvater. Mein Urgroßvater war bei der Legion Condor. Warum wehen alle Winde meines Lebens mich ins Baskenland, nach Guernica? Und warum muß ich mich ausgerechnet dort verlieben?

Alexej Arbusow

Leningrader Romanze

Dialog in drei Teilen Aus dem Russischen von Günter Jäniche

1942: Leningrad unter der deutschen Blockade. Lika (sie wird gleich 16), Marat (beinahe schon 17) und Leonidik (auch fast 17) sind mit Überleben beschäftigt und lernen sich kennen. 1946: Lika studiert Medizin und will eine große Wissenschaftlerin werden. Die beiden jungen Männer sind aus dem Krieg zurückgekommen, Leonidik mit nur einem Arm, Marat als „Held der Sowjetunion“. 1959: Lika ist praktische Ärztin in einer Poliklinik. Leonidik schreibt Gedichte – linientreue für den Druck und nicht linientreue für die Schublade. Marat hat sechs Brücken gebaut und einen Architektenfreund ans Messer der Formalismuskritiker geliefert. Lika ist mit Leonidik verheiratet und liebt Marat.

Volker Braun

Die hellen Haufen

Erstaufführung der neuen Bühnenbearbeitung von Peter Wittig

Wer erinnert sich an Bischofferode? Die ostdeutsche Kaliindustrie war der drittgrößte Produzent der Welt. 1992 schlug die Bombe namens Treuhand ein. Der Geheimvertrag, in dem unter dem Deckmantel einer „Fusion“ die Schließung von Bischofferode festgeschrieben war, gelangte erst im März 2014 (zum Teil) ans Licht. Der Kampf der Kalikumpel um ihr Bergwerk – Hungerstreik, Wallfahrt zum Papst, Marsch auf Berlin – war heldenhaft, aber aussichtslos. Was, wenn daraus ein Volksaufstand geworden wäre?

Peter Hacks

Der Geldgott

Zum 10. Todestag des Dichters Komödie nach Aristophanes Bühnen Erstaufführung für Berlin

Chremylos (Kleingewerbetreibender, 10-Stunden-Tag) und Fifine (seine Sklavin, 12-Stunden-Tag) lieben sich und treiben es toll miteinander. Trotzdem wäre etwas mehr Bargeld als willkommene Beigabe zu begrüßen. Leider ist Arbeit eher weniger geeignet, um besagtes Bargeld in ausreichender Quantität heranzuschaffen. Es naht der Geldgott. Chremylos läßt sich eine Blase aufschwatzen. Nun dünkt er sich fest verankert in der großen Geschäftswelt. Eigenkapital? Kein Problem. Er verkauft Fifine!

Peter Hacks

Der Müller von Sanssouci

Ein bürgerliches Lustspiel

Sagt der König zum Müller: Ihr Klappern stört mich beim Regieren. Sagt der Müller zum König: Besser, wie wenn Ihr Regieren mich beim Klappern stört. Sagt der König: Ich stehe auf dem Sprunge, einen Krieg zu führen, wenn Sie wissen, was das ist. Der Müller weiß es. Friedrichs bisherige Kriege haben ihm 1 Verdienstkreuz und 1 steifes Bein eingebracht. Der Müller wird klappern dürfen und doch nicht klappern können. Er hat den König unterschätzt.

Federico Garcia Lorca

Lorca. Bernarda. Fragen

Zum 75. Todestag des Dichters Federico Garcia Lorca: Bernarda Albas Haus (Übersetzung: Enrique Beck) in einer Bearbeitung von Peter Wittig

Bernarda Alba gilt als Mutter Gnadenlos. Was aber meint ihr Satz: „So muß man sprechen in diesem verdammten Dorf ohne Fluß, diesem Dorf der Brunnen, wo man das Wasser voll Angst trinkt, daß es vergiftet ist“? Die Großmutter ist – sagt man – verrückt. Hat sie unbequeme politische Ansichten? Bernardas zweiter Mann, der Vater von vieren ihrer fünf Töchter, ist soeben gestorben. Warum erben diese vier fast nichts und Angustias, die Tochter aus Bernardas erster Ehe, fast alles? Adela, die jüngste, macht vor ihren Schwestern das Rennen um den Traummann. Was ist, wenn dieser Traummann mit den Faschisten marschiert?

Ingmar Bergman

Herbstsonate

Aus dem Schwedischen von Heiner Gimmler Bühnen Erstaufführung für Berlin

Eltern sind für Kinder schrecklich. Kinder für Eltern auch.

Jaromir Konecny & Andrej Kritenko

Geschlechtsleben der Migranten

Bühneneinrichtung von Peter Wittig Tschechisch von Lenka Houskova Mit Szenen aus dem Film Gesetzmässigkeiten des Bienenlebens von Radek Tuma

Trouble auf dem Ausländeramt! Die Tschechin will für einen deutschen Paß ihren süßen Akzent loswerden. Der Schwarze möchte sich unsichtbar machen. Der schüchterne Türke strengt sich mächtig an, den Macho zu geben. Herr Alois ist aus der Zeit gefallen, heute in der Freiheit wie einst im Sozialismus. Die Beamtin will bei ihren Vorgesetzten gut angeschrieben und trotzdem bei ihren "Kunden" beliebt sein. Da hilft nur noch Hexerei!

Lilian Faschinger

Schlangengrube

Originaltitel: Jahrhundertfebruar

Unser Friedhof soll sauber sein Mensch benimm dir und sei kein Schwein Steig nicht über die Mauer ein Oder der Boß wird sauer sein

Karel Capek

Makropulos. Die Komödie

Originaltitel: Die Sache Makropulos Erstaufführung in Berlin Deutsch von Gustav Just Regiefassung von Peter Wittig

„Erstens, ein Kaiser will außer der Macht auch das ewige Leben. Da er um 1600 residiert und seine okkulten Neigungen bekannt sind (es handelt sich um Rudolf II. von Habsburg), dürfen wir annehmen, daß er hierfür notfalls mit dem Teufel paktiert. Zweitens, die Macht macht es möglich, das Risiko auf einen anderen abzuwälzen: seinen Arzt (es handelt sich um den Immigranten Hieronymus Makropulos aus Kreta). Der Arzt findet keine Formel für ewiges, aber immerhin für 300jähriges Leben. Drittens, Macht macht mißtrauisch. Der Arzt könnte ein Attentat planen. Kaiserlicher Ukas: Erprobung der Formel an einer dritten Person (es handelt sich um Elina Makropulos, die Tochter des Arztes). Nach ihrem Einverständnis hat niemand gefragt

Katrin Lange

Hekuba. Über der Stadt. Stimmen

Eine längst vergangene Geschichte Uraufführung als szenische Lesung

Homers Griechen verwüsteten Troja. Die NATO – als das Stück geschrieben wurde - verwüstete Jugoslawien. Seitdem verging einige Zeit, doch muß das Stück nicht neu geschrieben werden. Es genügt, die nichttrojanischen Dokumentartexte zu aktualisieren.

Peter Wittig

Tami oder Frau Dietrich verschenkt ein Collier

Uraufführung Phantasie für 1 Schauspielerin

„Tami war ein Lied. Ein lachendes Lied!“ Die Russin Tamara Matul floh vor der Oktoberrevolution. Eine deutsche Schauspielerin, Marlene Dietrich, findet sie im Berliner Künstlermilieu. Nach der Geburt von Tochter Maria hat Frau Dietrich mit ihrem Mann Rudolf Sieber nicht mehr sehr viel im Sinn. Ein russisches Spielzeug kommt beiden gerade recht.